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script for an exhibition opening tonight

THE GEOMETRY OF THE SOCIO-ECONOMIC FABRIC. Räume, durchzogen von mehrdimensionalen Rastersystemen, partiell von polyrhythmischen Blitzlichtern erhellt, in den abgeschlossenen Glasseparees exquisite Kadaver der Wissenschaftsgeschichte, im speziellen: des wissenschaftlichen Films, Muybridge, Marey usw., Kameras mit integrierten Spektrografen, Motion-Control-Systeme, in deren Abwesenheit Hollywoods Special FX Subunternehmer ehrfürchtig miteinander ?üstern, und die Gerätschaften zeichnen Vorgänge auf, die man nur notdürftig mit „affektiv“ beschreiben kann, denn wenn man sie beschreiben könnte, müsste man sie nicht derart festhalten. Der ganze Aufwand, er spricht die Sprache der Camou?age, jede parataktische Versuchsanordnung ein eigenes disrupted pattern. Aber was in aller Welt soll hier verdeckt werden?

2ND HAND TIME MACHINE EQUIPMENT. Hochspezialisierte Kamerateams haben im Auftrag der BBC ihre Zeitraffer und -lupen an den Schauplätzen der Erdgeschichte montiert: (2) Abiogenese auf Tonkristallen, (4) Kambrische Explosion, (12) Dinosauriersterben, (16) der Urkontinent zerbricht; (23) Auftritt Lucy. „Eine Doku über die Gesamtheit des Lebens: ein irrwitziges Unternehmen.“ Millionen von Jahren danach spricht (Sir) David Attenborough im Studio seinen Text darüber; das Budget hat dann doch nicht gereicht, um ihm, zumindest den einen, On-Screen-Auftritt inmitten des Römischen Forums, 12 vor Christus, Biopolitik etc., zu ermöglichen. Er bedauert es. Nein, er jammert vor sich hin und beneidet insgeheim Carl Sagan. “Sagan, you ?lthy pig.”

A NON-REDUCTIONIST APPROACH TO STUDY A CLOSED SYSTEM. Eine weitere Aufnahme wird zeitgleich in den Räumlichkeiten nebenan über diese Sequenz gerendert. Historisch und physikalisch höchst fragwürdig, bedienen die Zeitraffer von wachsendem Efeu eine andere, man sagt noch immer: emotionale, Ebene. Wissenschaft muss und soll auch den populären Geschmack bedienen. Die romantische Ader darf nicht sterben – Beschluss von ganz oben. Soeben fertiggestellt: Minute 23-25, Aufstieg und Fall der Biosphere 2, [00:23:03] Welt im Kleinen, [00:24:11] Test für Weltraumkolonien, [00:24:58] Arche einer verlorenen Zukunft. „Welcher Investor hat nun eigentlich den Kaufzuschlag bekommen?“

THE NINTH BIOSPHERIAN. “A developer of retirement homes – building adult living colonies”, antwortet unser heutiger Studiogast. (Insert) *Roni Layerson, wrote historical SciFi novel about Biosphere 2*. Kurzweiliges Geplänkel über das imaginäre neunte Crewmitglied. Zusammengesetzt aus dem, was die acht realen Insassen zurückließen, ein Geist, der durch die Space-Age-Ruine spukt. Erwin Schrödinger wird zugeschaltet und spricht über Leben als negative Entropie. “So, if Biosphere 2 was more than the sum of its parts – would that make Number Nine a narrative figure of negative synergy?” Werbepause.

EINE KATZE WIRD IN EINE KAMMER GESPERRT, ZUSAMMEN MIT EINER AUSGABE VON „THE BELL JAR“. In 1200fps: zersplitternder Stahl. Und doch auch zersplitterndes Glas, zur gleichen Zeit, zur gleichen Zeit, zur gleichen Zeit. Zur gleichen Zeit versucht jedenfalls jemand auszubrechen. Aber du bist hier in einer Doku (nennen wir es mal so, der Konvention wegen). Und der Film ist eine Ruine und das Buch ist eine Biosphere und die Übersetzung ist Science-Fiction, fuck you.

EINE LEERSTELLE IN DER MITTE EINES RAUMES / EIN SOG / EIN SCHWINDEL. Zurück im Labor, Folge 7 ist nun Teil des anfangs beschriebenen Szenarios, denn es sind diese Aufnahmen des Zeitkristallpalasts, die die Regisseurin auf dem vereinzelt stehenden Monitor neben den gläsernen Särgen zeigen will. Zeitraffer der Baustelle, der wandernden Schatten der Stahl- und Glaskonstruktion, des Verfalls. Attenborough quäkt aus zu kleinen Lautsprechern in den Raum, die Lichter blitzen unentwegt weiter. Die ganze Inszenierung, sie will auf etwas verweisen, mit all den verdammten Ruinen; doch was zum Teufel soll hier erzählt werden?

EIN CLIPBOARD IN DER HAND. „An dem kann man sich immer anhalten.“ Und darauf auffällig zerknitterte Blätter mit Listen, langen Listen, und diese Listen verschlingen sich und verknüpfen sich zu Ketten, und an denen kann man sich aufhängen, in einem BDSM-Dungeon, während einer seltsamen alltäglichen Orgie, die ihre strukturelle Ähnlichkeit zu einer Calabi-Yau-Mannigfaltigkeit kaum verleugnen kann. Sicher nicht. Nicht in dieser postfordistischen Produktion. Schon allein diese beiden beschissenen Wörter müsste man ersatzlos streichen.

INVOCATION OF THE EMPTINESS: THE NARRATOR’S VOICE. Rattert immer wieder diese Listen runter, wie endlos zur Probe, zu sich selbst, ein obskures wissenschaftliches Mantra. Als ergäbe sich aus der Aufzählung einzelner Elemente etwas Neues. Als erschiene hier etwas Neues. Als wäre eine Parataxe eine in sich selbst faltende Falle. Und nach einiger Zeit beginnt so etwas wie eine Übersetzung, eine neue Sprache, die man noch kaum versteht, der man jedoch gebannt zuhört, wie einem Selbstgespräch, eine Vielzahl von Stimmen in einem hermetisch abgeschlossenen Glasbehälter.

IN-SITUS EINER AUSSTELLUNG VON GRÄUELTATEN. Nach einer ausgiebigen Recherche in einschlägigen Onlineforen baut Layerson seinen Flachbettscanner um und beginnt die fortlaufenden Prozesse des Kristallwachstums zu dokumentieren. Aus den Notizen: „2-dimensionale Aufnahmen, räumliche Ausdehnung vernachlässigbar.“ Der Lichtbalken fährt den Schlitten entlang, und zwei Kinderaugen starren gebannt auf das Schauspiel, als gäbe es schon jetzt etwas zu sehen. „Die Penroseparkettierung eines fünfdimensionalen Quasikristalls: ein Ornament der unsichtbaren Verbrechen.“ Kaum wahrgenommen, aber vielleicht, nein, wahrscheinlich, wichtiger: das Rattern der miniaturisierten Mechanik.

THE N-TH REMAKE OF INVASION OF THE BODY SNATCHERS. Mit keiner Silbe erwähnen die Produktionstagebücher der überaus erfolgreichen BBC-Serie „Planet Earth“ die Arbeit der Ton-Leute. Und das, wo doch die spektakulärsten Nahaufnahmen, die unmöglichsten Zeitraffer parasitärer P?anzensysteme nichts als leblose Wissenschaftsbilder wären. Erst seit die Körperfresser schmatzen, wissen wir, was Sache ist: mit der gefräßigen Zeit, dem Tiger, dem Fluss, dem Tiger.

MISSION CONTROL: ANOTHER WORLD IS POSSIBLE / JUST IN TIME. Nach der Show wird L. Zeuge eines neuen Rituals der Spätschicht. „Eine neue Esoterik?“ Ein hochkomplexer Kanon aus nur zwei Elementen, die einen betonen dieses Element und die anderen jenes, das ist Teil des Kanons, das rhythmisiert die Monotonie und macht sie erträglich und verdeckt das Stöhnen (dies wiederum ebenso eine Bereicherung im Frequenzspektrum der Maschine). Und die Narration? Der Film? Das Buch? „Eine performative Übersetzung.“ L. setzt zu einer Bewegung an und faltet sich in sich selbst, verschwindet, futschigaga, einfach so.

WHAT IS LIFE. Es liegt an Sagan, so denkt Attenborough, und es läge an ihm, über die unendliche Einsamkeit zu berichten, die kalte Weite, die leere Finsternis. Aber nein, er schweigt. Attenborough hätte es sagen können, denkt sich die Regisseurin, aber nein, stattdessen zog er es vor zu formulieren. Die Kadaver in den gläsernen Särgen werden von polyrhythmischen Blitzlichtern aus der Dunkelheit geführt, in einem Raum, in einem Akt der Verzwei?ung, strukturiert mit mehrdimensionalen Rastern.

 

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